Neue Literarische Gesellschaft Marburg

-Literatur um 11-

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rückblick: Programmhefte, Termine und Autoren seit 2010

Medien-Echo zu unseren Veranstaltungen


Das neue Programm von Literatur um 11
mit internationaler Belletristik und wissenschaftlichen Vorträgen


So, 5. März, 11 Uhr, Café Vetter
Heimo Schwilk
Luther. Der Zorn Gottes.

Heimo Schwilk, der sich mit seinen großen Porträts von Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke einen Namen als Biograf gemacht hat, vergegenwärtigt die Lebensgeschichte Martin Luthers auf eine bisher so nicht zu lesende Weise.

Psychologisch einfühlsam und vertraut mit der von radikalen Umbrüchen bestimmten Epoche des ausgehenden Mittelalters, zeichnet er ein Bild jenes Mannes, der mit seiner Neukonzeption der Theologie das kirchliche Leben, aber auch die politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit revolutionierte – mit Wirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart.

Heimo Schwilk macht die scheinbar weit in die Ferne gerückte Gestalt des Reformators lebendig und stellt sich quer zur verharmlosenden Aktualisierung des Reformators, der keineswegs als „Modernisierer“ zu vereinnahmen ist. Luther war kein Anwalt der Selbstbestimmung, der Autonomie des Einzelnen, seiner unbeschränkten Emanzipation und Mündigkeit.

Diese Biografie provoziert und eröffnet einen neuen, frischen Blick auf den „Genius der Deutschen“, der als Bibelübersetzer und Sprachschöpfer erreichte, dass die Grundfragen des Glaubens erstmals in Deutschland von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden konnten.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 12. März, 11 Uhr, Café Vetter
Daniel Zahno (New York)
liest aus seinem Roman
Mama Mafia (erschienen im Februar 2017)

Rocksänger und Überlebenskünstler Harvy, der sich mit drei Jobs und gelegentlichen Diebstählen über Wasser hält, lässt im Apple Store in der Grand Central Station ein iPhone mitgehen, was sein Leben auf den Kopf stellt.

Harvy gerät in einen wahnwitzigen Sog von Turbulenzen: Er wird erpresst, muss unverschuldet einen Toten entsorgen und verliert sein Herz an die Geliebte des obersten New Yorker Mafiabosses Tony Tangeroli. Tony wiederum ist derart angetan von Harvys Musik, dass er dessen Band groß herausbringen will. Für Harvy beginnt ein lebensgefährlicher Hochseilakt im Dunstkreis der Mafia.

Daniel Zahnos »Mama Mafia« ist ein wilder Ritt durch New York City, sprachmächtig und spannend, mit subtilen Anspielungen auf Godfather und Pulp Fiction, zugleich erfrischend neu und voller Überraschungen. Ein kurzweiliger, rasanter Roman mit einem packenden Plot, von einer Brillanz, welche die aufregende Lektüre sogleich in Lesevergnügen verwandelt.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 19. März, 11 Uhr, Café Vetter
Jurij Andruchowytsch
Kleines Lexikon intimer Städte

Jurij Andruchowytsch, »der poetische Landvermesser« (FAZ) aus der Unruhezone Ukraine, hat viel Zeit investiert, um sich mit fremden Städten anzufreunden, die ihm Schutz und Ruhe gewähren sollten.

In manchen ist er eine Weile hängengeblieben. Andere wurden zu Lebensstationen: »München beginnt gleich hinter Moskau, das Alphabet harmoniert mit der Zeit« – denn München war die erste deutsche Stadt, die der junge Autor aus der untergehenden Sowjetunion besuchte, um ganz in der Nähe, am Starnberger See, seine Moscoviada zu schreiben.

Diamantenläden statt Zimtläden – eine Gasse in Antwerpen, chimärisch, als wäre sie von Bruno Schulz erfunden. Soziologie der Straßenmusik in Berlin. Mit Andrzej Stasiuk im hundertgeschossigen InterContinental in Bukarest. Zu Besuch im tragischen Museum in Charkiw. Unterwegs durch verlassene Gärten in Detroit. Novi Sad. Odessa. Paris. Prag. Stuttgart. Toronto. Ushgorod. Venedig.

Ein Alphabet der 44 Städte auf drei Kontinenten. In diesem originellen Reisebrevier verquickt Andruchowytsch Herzensgeschichten mit politischer Polemik, Klischee mit Epiphanie, die Anekdote mit Romanentwürfen. Doch wie dieser Stadtnomade seinen Blick schult, um im unscheinbaren Detail ein Gefühl für das große Ganze zu entwickeln, macht Lust darauf, es ihm gleichzutun.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 26. März, 11 Uhr, Café Vetter
Gerhard Marcel Martin
Was brennt denn da?
Kurzprosa und andere Gattungen

Seit den 70er Jahren hat Gerhard Marcel Martin neben akademischen Fachbüchern und Essays auch poetisch Leicht-Fertiges, bisweilen aber auch literarisch und thematisch Schwergewichtigeres geschrieben und von früh an an verschiedenen Orten publiziert.

Anlässlich seines 75. Geburtstags präsentiert er daraus Proben des Schräg-Experimentellen genauso wie Texte, die ästhetisch und inhaltlich anspruchsvoller auftreten. Dabei geht es u.a. um Monster und Gerichtspsychiater, Jungfrauenspiele, Krankenhäuser und Schnittpunkte und um eine Religionskonferenz nördlich des Mount Everest.

Eintritt: 12,- € / Mitglieder, Studenten: 10,- €


So, 7. Mai, 11 Uhr, Café Vetter
Ulrich Schacht
liest aus seinem Roman (soeben erschienen!)
Notre Dame


Uni im Café
So, 28. Mai, 11 Uhr, Café Vetter
Dr. Rainer Nickel
Das einfache Leben – Diogenes in der Tonne

Diogenes war einer der bekanntesten philosophischen Lebenskünstler des vierten vorchristlichen Jahrhunderts. Sein abenteuerliches Leben und seine radikalen Ideen, die die Welt auf den Kopf zu stellen versuchten, lösten zahlreiche Anekdoten aus, die bis auf den heutigen Tag faszinieren. Sie erzählen unter anderem von dem Mut, den er im Ungang mit den Mächtigen seiner Zeit bewies. Er beeindruckte sogar Alexander d. Großen, in dessen Schatten er aber nicht leben wollte.

Diogenes experimentierte mit alternativen Lebensformen, die die Phantasie auch des Menschen der Gegenwart anregen. Die Botschaft aus seiner Tonne lautet: Ein „einfaches Leben“ ist möglich und in Zukunft vielleicht sogar überlebenswichtig, aber alles andere als einfach.

Der Marburger Altphilologe Rainer Nickel konfrontiert die legendäre Gestalt des Diogenes mit modernen Vorstellungen von einem materiellen Minimalismus, der den Verzicht auf das Überflüssige, die radikale Bedürfnisbeschränkung und den schonenden Umgang mit Ressourcen verlangt, Verluste vermeidet, nur das Notwendigste verbraucht, Verbrauchtes ohne Aufwand zu regenerieren weiß und sogar Negatives und Zerstörerisches gewinnbringend nutzt.

Diogenes kann durchaus eine Leitfigur eines modernen Anti-Konsumismus und einer ökologisch orientierten Umweltethik sein, die durch Konsumverzicht mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu gewinnen versucht. Er ermutigt dazu, auf überflüssigen Besitz zu verzichten und sich auf das Lebensnotwendige zu beschränken. Diogenes ist ein Vorbild für alle, die nicht nur den Zwängen ökonomischer Verfügungsgewalt und Fremdbestimmung widerstehen, sondern auch einen Beitrag zur Schonung natürlicher Lebensgrundlagen leisten wollen.

Eintritt: 10,- € / Mitglieder, Studenten: 8,- €


So, 18. Juni, 11 Uhr, Café Vetter
Dr. Heiko Postma
Fontane II
Die großen Romane.


So, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben, 11 Uhr, Café Vetter
Prof. Dr. Heinz-Joachim Müllenbrock
Erbe und Auftrag – Konservatives Denken bei Burke und Disraeli.

Im Laufe ihrer Auseinandersetzung mit ihren politischen Konkurrenten ist die Konservative Partei Englands immer wieder bestrebt gewesen, sich durch Rückgriff auf ihr Traditionsgut ein über die Tagespolitik hinausreichendes, auf Kontinuität bedaches Profil zu geben. Mit Edmund Burke (1729-1797) und Benjamin Disraeli (1804-1881), dem späteren Earl of Beaconsfield, stellt dieser Vortrag zwei ihrer bis heute wichtigsten Ideengeber vor.

Burke verschaffte sich durch sein epochemachendes Buch Reflections on the Revolution in France (1790) Geltung, in dem er der naturrechtlichen Konstruktion des revolutionären Frankreich das durch die geschichtliche Erfahrung bewährte britische Verfassungsmodell entgegenstellte. Disraeli machte in dem Roman Sybil or The Two Nations (1845) die soziale Frage erstmals zum Anliegen konservativer Politik und setzte 1872 in seiner Rede im Londoner Kristallpalast den Imperialismus auf die politische Tagesordnung.

Der Vortrag legt die Standpunkte dieser beiden politischen Akteure und Publizisten dar und geht abschließend der Frage nach, ob und wie sich das Vermächtnis Burkes und Disraelis unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen für den Konservativismus fruchtbar machen lässt. Dabei dürften sich auch Vergleichsaspekte für die Betrachtung der derzeitigen Situation in der Bundesrepublik Deutschland ergeben.